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HeilklimaProf. Dr. med. Karl Wurm
Höchenschwand verdankt das Prädikat »Heilklimatischer Kurort«, u. a. den Besonderheiten seines Klimas. Diese für Höchenschwand spezifischen Klimaeigenschaften mit ihrer Auswirkung auf den Menschen, ob gesund oder krank, seien hier kurz aufgezeigt. Der Zusammenhang zwischen persönlicher Befindlichkeit und unterschiedlichen Wetterlagen oder nach Ortswechsel mit Aufenthalt an der See, im Hochgebirge oder in fernen Ländern ist schon für gesunde Menschen ein unmittelbares Erlebnis. Die heilende Wirkung eines Klimas auf den Verlauf von Krankheiten (z. B. Asthma, Hautkrankheiten, Blutarmut) ist ein unbestreitbares Faktum alter ärztlicher Erfahrung und darüber hinaus Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Forschung. Die Klimaforschung hat eine Reihe physiologischer Wirkungen ermittelt, die für das menschliche Befinden und darüber hinaus von allgemeiner biologischer Bedeutung sind. Die Kenntnisse aus jahrelangen Messungen der meteorologischen Forschungsstation des deutschen Wetterdienstes in Freiburg geben hierüber Aufschluss. Die Lufttemperatur mit einem Jahresmittel um + 6,40, einem mittleren Maximum von 26,50 Grad im Juni und einem tiefsten Monatsminimum von -13,40 im Januar hat einen ausgewogenen Jahresverlauf. Die sich bei winterlichen Hochdrucklagen einstellende Temperaturumkehr, mit warmer Sonne und klarer Fernsicht in der Höhe oberhalb der Inversionsschicht ist im Unterschied zu dem sich unter der Nebeldecke befindlichen kalten Rheintal für viele ein großes Erlebnis.
Die Abkühlungsgröße, bedingt durch Temperatur und Strömungsgeschwindigkeit der Luft, ist für die Reizstärke eines Klimas maßgebend. Selten herrscht in Höchenschwand absolute Windstille. Die fast ständige leichte Brise verhindert selbst im Hochsommer eine belastende Schwüle.
Die Niederschlagsmenge ist auf Grund der geographischen Lage relativ gering. Die größte Menge fällt im Dezember, die geringste im Februar, Nebeltage sind selten. Daraus ergibt sich eine bekömmliche, trockene Luft. Schnee kann schon im Oktober fallen, mit einer geschlossenen Schneedecke ist normalerweise ab Weihnachten bis Ende März mit mittleren Schneehöhen von 80 cm zu rechnen.
Der geringe Luftdruck in der Höhenlage führt zu einem deutlich niedrigeren Sauerstoffpartialdruck im Blut, der sich anregend auf Herz- und Atemtätigkeit auswirkt. Neben den beschriebenen physikalischen Klimaeigenschaften ist außerdem mit weiteren, noch ungenügend erforschten Faktoren wie Luftelektrizität, Erdmagnetismus, Strahlungen u.a. zu rechnen. Nach den geltenden Kriterien wird das Mittelgebirgsklima von Höchenschwand mit seinen für jeden Laien spürbaren Auswirkungen von den Meteorologen der Reizstufe 3 zugeordnet.
Die physiologische Wirkung auf den Menschen ist immer die Resultante von mehrerlei gleichzeitigen Einwirkungen. Ihr Effekt hängt außerdem von der individuellen körperlichen und seelischen Sensibilität des Menschen ab. Daher ist die Bekömmlichkeit eines Klimas nicht nur bei gesunden Menschen, sondern bei verschiedenen Krankheiten sehr verschieden, was bei den Kurortindikationen Berücksichtigung findet. Abgesehen von den geschilderten speziellen Einflüssen auf bestimmte Funktionen von Organen und des Stoffwechsels besteht der Nutzen eines Heilklimas vor allem in der Mobilisierung der im Immunsystem wirkenden Abwehrkräfte, die sich nicht nur in gesteigerter Heilungstendenz, sondern in verminderter Krankheitsanfälligkeit auswirkt und allgemein als Umstimmung bezeichnet wird. Die Landschaft ist neben dem Klima der für Höchenschwand zweitwichtigste ortsspezifische Heilfaktor. Der Lage des Ortes mit noch immer dörflichem Charakter, mitten in einer reizvollen Landschaft kombiniert mit klimatischen Vorzügen verdankt der Kurort seine Spitzenstellung. Frei von aller Industrie, im weiten Umkreis nur Wiesen und Felder im stetigen Wechsel mit Wäldern, hat der Blick in die Ferne und in den offenen Himmel eine tiefe, befreiende Wirkung. Mancher Frühaufsteher erlebt zum ersten Mal in Höchenschwand, besonders im Winter und im Frühjahr die Schönheit eines Sonnenaufgangs über der Bregenzer Alpenkette. Jedermann ist beim Anblick der im Sonnenglanz leuchtenden Gletscher und Schneefelder der zum Greifen nahe erscheinenden Schweizer Alpen tief beeindruckt und kann im Frühsommer und noch mehr im Herbst das am Horizont ablaufende Farbenspiel der untergehenden Sonne bewundern.
Dieser ständige und abwechslungsreiche Ansporn zum Aufenthalt in freier Natur führt den Erholungssuchenden und Kranken zur Entspannung und Besinnlichkeit. Für andere ist eine solche Landschaft eine Herausforderung zum Wandern und sportlicher Aktivität, die für die heutigen Menschen als Bewegungstherapie zu einem wichtigen Element gesunder Lebensführung oder sogar zu einem Prinzip seiner Therapie geworden ist. Die gepflegten Terrainkurwege sollen hier ein weiterer Anreiz sein. Eine spezielle Terrainkurwegekarte gibt es bei der Kurverwaltung.
Ein breites kurörtliches Angebot an menschlichen Bewegungsformen, sei es Sport, Unterhaltung, Tanz, Spiel und Spaß, ist die notwendige Ergänzung für einen Kurort in unserer Zeit, der Anspruch auf Ganzheitsmedizin erhebt. |


